Veranstaltung im November 2015

Am 09. November sprachen Frau Römer und Herr Seidel zu uns über Depressionen.

Frau Seidel erhielt die Diagnose Depression vor ca. 20 Jahren. Sie ist Mitglied in dem seit 2009 bestehenden „Leipziger Bündnis gegen Depressionen“, in dem auch dieser Vortrag entstand. Das Bündnis bietet Aufklärung, Hilfe, Beratung, Vernetzung. Jeweils im Oktober finden zwei Wochen der seelischen Gesundheit statt.Depression kann jeden treffen, sie ist behandelbar.

Wie macht sich Depression bemerkbar? In der Psyche, im Körper, am Verhalten. Es ist die Krankheit der -Losigkeiten. Man ist gefühllos, antriebslos, appetitlos, schlaflos…Die Patienten haben oft Rückenschmerzen, bewegen sich langsam, sprechen leise, ziehen sich zurück, man kommt an sie nicht heran und es kommt auch zu Suizidgedanken.

Es gibt leichte, mittlere und schwere Depression. Anfangs reicht evt. Psychotherapie, bei der mittleren und schweren Art muss der Arzt zusätzlich Medikamente verschreiben. Deren Nebenwirkungen muss der Erkrankte aber aushalten.Es gibt unipolare, rezidivierende und bipolare Depressionen.

Zur Entstehung einer Depression gibt es viele Theorien. Es liegt kein organischer aber evt. ein genetischer Befund vor, der Patient ist psychosozial belastet oder es liegen körperliche Erkrankungen vor, oft chronische. Stresshormone werden ausgeschüttet.

Psychotherapien sind die kognitive Verhaltenstherapie (Veränderung des krankmachenden Verhaltens), tiefenpsychologische Therapie (wo kommt das krankmachende Verhalten her) oder Psychoanalyse.Medikamente machen nicht süchtig. Antidepressiva müssen mindestens 6 Monate genommen werden. Es gibt auch Lichttherapie, Wachtherapie, Elektro- bzw. Magnetkrampftherapie. Hilfreich sind auch Sport und die Teilnahme an Selbsthilfegruppen.

Es gibt ein umfangreiches Versorgungssystem: eine Broschüre, psychiatrische Kliniken, Verbund gemeindenaher Psychiatrie, Institutsambulanzen, Stadtteilangebote, eine Therapeutenliste und die Selbsthilfe, z.B. Betroffene beraten Betroffene.

Bei Anzeichen einer Depression geht man zuerst zum Hausarzt, um körperliche Probleme abklären zu lassen. Dieser sollte durch Nachfragen Symptome einer Depression erkennen und bei Notwendigkeit zum Psychiater überweisen. Dort hat man 5 Probesitzungen, denn nur wenn die Chemie stimmt, ist eine erfolgreiche Therapie zu erwarten.

Herr Seidel erzählte sehr anschaulich wie es bei ihm zur Depression kam, wie sie sich äußerte und wie er sie überwinden konnte. Er gab niemandem die Schuld für den Ausbruch der Krankheit, denn er selbst hatte zu viele Aufgaben übernommen, konnte nicht Nein sagen, geriet immer weiter ins Hamsterrad. Heute hat er sein Leben umgestellt und achtet mehr auf sich. Auch er berät Betroffene.

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