Veranstaltung im April 2016

Neues Therapieverfahren zur Stuhlinkontinenz

Am 11.04.2016 hatten wir wieder Frau Dr. Schlick zu Gast. Sie brachte uns Herrn Dr. Pommer mit. Beide sind Fachärzte für Chirurgie mit der Spezialisierung Proktologie. Frau Dr. Schlick hat in Schkeuditz mit ihrem Mann zusammen eine eigene Praxis. Herr Dr. Pommer arbeitet am Krankenhaus Eilenburg, mit dem Frau Dr. Schlick eine langjährige Zusammenarbeit verbindet.

Herr Dr. Pommer erläuterte uns pTNS, ein neues Therapieverfahren bei bestimmten Formen der Stuhlinkontinenz. In Deutschland ist dieses Verfahren neu und Dr. Pommer der zweite (!)  Arzt, der sich damit beschäftigt. Im Ausland zeigten Studien bereits gute Erfolge.
pTNS ist eine Nadelinjektion am Schienbein und dient zur Neurostimulation. Herr Dr. Pommer demonstrierte den Nadelstich am Schienbein von Frau Dr. Schlick. Die Nadel muss 30 Minuten gesetzt bleiben. Dabei verspürte Frau Dr. Schlick keine Schmerzen, lediglich zeitweilig ein leichtes Zucken der Zehen. So ist es auch beim Patienten, da die Stromstärke individuell nach Empfindlichkeit eingestellt wird. Diese Stimulierung erfolgt 12 Wochen lang 1x wöchentlich in Eilenburg. Hat die Behandlung Erfolg, kann man ein halbes Jahr im 14-tägigen Rhythmus fortsetzen.
Das Verfahren kann bei Patienten angewandt werden, die Angst vor einer OP haben, eine Krebs-OP hinter sich haben, einen Schrittmacher nicht wollen oder er (noch) nicht möglich ist. Mit Beckenbodenschrittmacher ist z.B. kein MRT möglich, das gehört aber zur Krebsnachsorge. Diese Methode überbrückt die Zeit.  Medikamente werden nicht abgesetzt. Man tut dem Patienten nichts, operiert nicht, kann aber vielleicht Verbesserungen erzielen.
Nicht eingesetzt wird pTNS bei Diabetes, bei Blutverdünnern (außer ASS), Herz- oder Beckenbodenschrittmachern.
Nach einem Jahr wird neu entschieden, ob Erfolge eingetreten sind und wie es weitergeht.
Herr Dr. Pommer erklärte, dass er durch die Teilnahme an Kongressen diese Methode kennengelernt hat.

Frau Dr. Schlick beantwortete abschließend noch eine Frage zum Reizdarmsymptom.